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Vor 75 Jahren wurde das KZ Wöbbelin zum Auffanglager

2020-04-13 16:21

Vor 75 Jahren, am Ende des Zweiten Weltkrieges, wurden durch die SS viele Konzentrationslager vor der anrückenden Front geräumt. Tausende Häftlinge befanden sich auf den Todesmärschen Richtung Norden. Eines der Ziele war das Neuengammer KZ-Außenlager Wöbbelin.

Am 13. April 1945 erreichten mehrere Transporte die Region zwischen Ludwigslust und Wöbbelin, die Züge aus Schandelah und Fallersleben wurden auf dem Anschluss Wöbbelin abgestellt. Da kein Platz mehr war, fuhr der Räumungstransport aus dem KZ Beendorf bei Helmstedt weiter zum Bahnhof Sülstorf, wo der Güterzug auf einem Nebengleis abgestellt wurde. In diesem Zug befanden sich 1300 Männer und 3000 Frauen. In den drei Tagen des Aufenthaltes kamen in Sülstorf mehr als 300 Menschen ums Leben, auch aufgrund von Gewaltexzessen.

Am 15. April 1945 wurde durch die SS die Entscheidung gefällt, das noch unfertige Steinbarackenlager des KZ Wöbbelin als Auffanglager zu nutzen, die Häftlinge wurden ausgeladen. Abends gegen 20 Uhr verließ auch der KZ-Zug von Sülstorf den Bahnhof Richtung Anschluss Wöbbelin. Die männlichen Häftlinge kamen in das Lager Wöbbelin. Die Frauen verblieben in den Waggons und fuhren in den nächsten Tagen weiter Richtung Hamburg, wo die überlebenden Frauen auf die Hamburger Außenlager Eidelstedt, Sasel, Langenhorn/Ochsenzoll und Wandsbek verteilt wurden.

Ein weiterer Transport aus Kelbra, einem Außenkommando des KZ Mittelbau-Dora, erreichte ebenfalls am 15. April Wöbbelin, die 47 KZ-Häftlinge hatten die Strecke zu Fuß zurück gelegt. Sie wurden im kleinen Holzbarackenlager "Reiherhorst" untergebracht.

Das bedeutete, dass an diesem Tag, dem 15. April 1945, ca. 2600 bis 2.700 männliche Häftlinge im KZ Wöbbelin eintrafen. Das große Lager war zu diesem Zeitpunk noch nicht fertig gestellt, es verfügte über keinen Wasseranschluss und es gab nur eine Wasserpumpe. Die Baracken hatten keine Inneneinrichtung, die Häftlinge bauten sich aus Baumstämmen Bettgestelle. Die hygienischen Bedingungen waren katastrophal.

Die mangelhafte Versorgung und Krankheiten führten Ende April zum Massensterben unter den Häftlingen. Zwei weitere Transporte trafen am 19. April 1945 (aus dem KZ Kaltenkirchen) und am 26. April 1945 (aus dem KZ Ravensbrück) ein. In diesem letzten Transport befanden sich jüdische Häftlinge, die zumeist erst am 14. April 1945 in Ravensbrück eingetroffen waren. Sie kamen aus dem KZ Mittelbau-Dora und aus Braunschweiger Außenlagern des KZ Neuengamme (über Watenstedt).

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