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Erzählcafé über Gyula Trebitsch: „Gelebt wird nach vorn“ -

2019-06-30 15:03

Im Mittelpunkt des Erzählcafés am Pfingstsonntag stand der Hamburger Filmemacher Gyula Trebitsch und sein Weg vom Verfolgten des NS-Regimes zu einem der wichtigsten Filmproduzenten Deutschlands. „Der Hauptmann von Köpenick“ und „Des Teufels General“ gehören zu seinen bekanntesten Filmen. Kurzfristig hatte die Filmproduzentin Prof. Katharina Trebitsch zugesagt, die sehr eindrucksvoll und emotional über das Leben Ihres Vaters erzählte.

Trebitsch wurde 1914 als Sohn einer jüdischen Familie in Budapest geboren und ist dort aufgewachsen. Nach seiner Verhaftung und der Zwangsarbeit im jugoslawischen Bor kam er im November 1944 in das KZ Sachsenhausen und von dort in das Ravensbrücker Außenlager Barth, östlich von Rostock. Im Frühjahr 1945 wurde er von Barth in das Krankenrevier des KZ Ravensbrück überstellt. Das Lager wurde Ende April geräumt. Schon am 23. April wurde von Ravensbrück ein Zug mit männlichen jüdischen Häftlingen in das Auffanglager Wöbbelin geschickt. Am 2. Mai 1945 wurde Gyula Trebitsch von den amerikanischen Soldaten der 82. US-Luftlande-Division und der 8. US-Infanterie befreit. Er kehrte nicht nach Ungarn zurück, sondern blieb in Deutschland.

1947 gründete er gemeinsam mit Walter Koppel in Hamburg die „Real-Film GmbH“. Aus dem Nichts schufen die beiden die Voraussetzungen für eine Filmgesellschaft, die in kurzer Zeit zur bedeutendsten der jungen Bundesrepublik wurde. Stars wie Romy Schneider, Heinz Rühmann und Liselotte Pulver drehten in diesen Jahren in den Ateliers in Wandsbek.

Der größte Erfolg der beiden Produzenten war eine Oscar-Nominierung für den Film „Der Hauptmann von Köpenick“. Mit populären Familienserien wie „Die Bertinis“ ist Gyula Trebitsch Teil der deutschen Fernsehgeschichte geworden. Als Mitglied des Fördervereins der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin unterstützte er bis zu seinem Tod im Dezember 2005 dessen Arbeit als Zeitzeuge, auch in vielen Gesprächen mit Jugendlichen. Ramona Ramsenthaler zeigte Fotos und Ausschnitte von Interviews mit Prof. Gyula Trebitsch und erzählte von ihrer Begegnung 2004 im Rahmen eines Zeitzeugen- Gesprächs mit Schüler/innen in Schwerin.

Katharina Trebitsch signierte zum Abschluss des Erzählcafés das Buch über Gyula Trebitsch von Mihael Töteberg und Volker Reißmann, das vom Verlag Ellert & Richter heraus gegeben wurde. Das Buch kann in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin bestellt werden.

Besonders erfreut ist die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten über die Zusage von Katharina Trebitsch, diese Veranstaltung in einem größeren Rahmen Ende Januar in Ludwigslust zu wiederholen.

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