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Einweihung der Gedenkstätte Schwurhand nach Neugestaltung

Lazarett in der Kavalleriekaserne Ludwigslust; Quelle: USHMM Washington
Lazarett in der Kavalleriekaserne Ludwigslust; Quelle: USHMM Washington

Anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Wöbbelin werden viele Gäste zur internationalen Begegnung der Generationen erwartet. Überlebende aus Polen, den USA und Deutschland sowie viele Angehörige von Opfern, vor allem aus Belgien, Frankreich, Schweden und den Niederlanden haben ihr Kommen angekündigt.

71 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft laden der Verein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust- Parchim e. V. und der Förderverein der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin e. V. vom 1. bis zum 3. Mai 2016 zur Internationalen Begegnung der Generationen ein.
An die Geschichte des Ortes und an das Leiden der Opfer wird in den Gedenkveranstaltungen am 1. Mai und 2. Mai erinnert und auf dem Ludwigsluster Friedhof eine neu gestaltete Denkmalsanlage eingeweiht.

Einweihung der Denkmalanlage am 2. Mai um 17 Uhr auf dem Ludwigsluster Stadtfriedhof

Skizze zur Neugestaltung der Gedenkstätte "Schwurhand" von Dörte Michaelis, freie Künstlerin, Vogelsang
Skizze zur Neugestaltung der Gedenkstätte "Schwurhand" von Dörte Michaelis, freie Künstlerin, Vogelsang

Bereits 2014 hatten die Mitglieder des Vereins Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim e. V. einstimmig beschlossen, anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des KZ Wöbbelin die Gedenkorte und Ehrenfriedhöfe neu zu gestalten. Es wurde der Beschluss gefasst, sich an der Gestaltung des Gedenkplatzes ehemaliges Lagergelände des KZ Wöbbelin zu orientieren und die Künstlerin Dörte Michaelis beauftragt, an allen Gedenkorten als verbindendes Element Podeste aus Klinkern und an den Orten, wo die Namen der Opfer aufgrund der aktuellen Forschung bekannt sind, Denkmalanlagen mit Namenssteinen zu schaffen.

Um 17 Uhr wird auf dem Stadtfriedhof die neue gestaltete Anlage (siehe Skizze) eingeweiht. Nach Recherchen in zeitnahen Quellen werden 149 Namenssteine und 32 namenlose Steine für die Opfer eingeweiht, die noch nach der Befreiung an den Folgen der KZ-Haft in Lazaretten und im Krankenhaus in Ludwigslust gestorben sind. Bereits 1965 hatte der Ludwigsluster Künstler Herbert Bartholomäus das Denkmal die „Schwurhand“ zum Gedenken geschaffen. Für die italienischen Häftlinge stellte die Republik Italien einen schwarzen Granitstein auf. Bisher war an diesem keine individuelle Erinnerung möglich.

Hintergrund: Beerdigung von Opfern des KZ Wöbbelin

Pieter Brouwer, Quelle: Privatbesitz J. Bakker
Pieter Brouwer, Quelle: Privatbesitz J. Bakker

Auf dem Friedhof Ludwigslust wurden 1945 zwischen dem 4. Mai und dem 30. Juni 181 Menschen aus vielen Nationen beerdigt, die nach der Befreiung des KZ Wöbbelin an den Folgen der KZ- Haft gestorben sind. Die amerikanischen Militärbehörden hatten in Ludwigslust die Einrichtung von Lazaretten (im Bereich der Garnison, in Schulen und auch im heutigen Hotel Landhaus Knötel) angeordnet sowie die Unterbringung im Krankenhaus der Stadt. Auf dem Friedhof wurden die meisten Toten in Massengräbern beerdigt, vier Opfer wurden später exhumiert und in die Niederlande bzw. in die Tschechische Republik überführt. Von der Friedhofsverwaltung Ludwigslust wurden die Toten in einem Begräbnisbuch eingetragen, allerdings wurden viele ausländische Namen falsch geschrieben. Diese wurden in den letzten Monaten 2016 durch die Gedenkstättenleiterin mit Unterlagen von den Familien bzw. weiteren Listen aus dem Jahr 1945, die von Häftlingen geführt worden waren, abgeglichen. Insgesamt 149 Namen von Opfern konnten dadurch recherchiert werden.

Ein Namensstein erinnert an den 25jährigen Pieter Brouwer aus Urk, Niederlande. Auf den Filmaufnahmen der Amerikaner vom Lagergelände des KZ Wöbbelin vom 5. Mai 1945 ist er noch zu sehen.

Familie Brouwer-Bakker 1990 an der Gedenkstätte auf dem Friedhof Ludwigslust, Quelle: Privatbesitz J. Bakker
Familie Brouwer-Bakker 1990 an der Gedenkstätte auf dem Friedhof Ludwigslust, Quelle: Privatbesitz J. Bakker

Die Familie von Pieter Brouwer besuchte 1990 das erste Mal die Grabstätte in Ludwigslust und bedauerte damals sehr, dass keine Grabplatten mit Namen vorhanden sind. Seit 2005 erinnert ein Namenstein an Pieter Brouwer auf der Denkmalanlage am ehemaligen Lagergelände an ihn, seit 2014 kann man in der neuen Dauerausstellung seine Biografie nachlesen.

Am 2. Mai 2016 wird Janne Bakker aus den Niederlanden zur Erinnerung an ihren Angehörigen Pieter Brouwer um 11:30 Uhr am Gedenkplatz am ehemaligen Lagergelände sprechen, um 17 Uhr kann sie an der Begräbnisstätte den Namen lesen und wie die anderen Angehörigen sich an ihn erinnern.

Zum stillen Gedenken an diesem Ort laden der Verein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim e. V. und der Förderverein der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin mit der Kirchgemeinde Ludwigslust ein. Anschließend findet in der Stadtkirche ein Ökumenischer Gottesdienst statt.